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Von der digitalen Abbildung zur digitalen Transformation mit professional MOOCs der nächsten Generation

Anja Lorenz

Veröffentlicht am 05.11.18


Mit „pMOOCs 2” geht das Projekt der Technischen Hochschule Lübeck in die zweite Förderphase, um professional Massive Open Online Courses (pMOOCs) als innovatives Format zum durchlässigen berufsbegleitenden Studieren strategisch zu implementieren – so liest man es im Projektantrag. Aber was bedeutet das genau? Und was wollen wir in der zweiten Förderphase erreichen, in der wir uns seit Februar 2018 befinden?

LESSONS LEARNED AUS DER ERSTEN FÖRDERPHASE

Bereits im Projekt pMOOCs 1 haben wir erfolgreich die Überführung von Lehrveranstaltungen der Hochschule in ein offenes Online-Format (MOOC) erprobt. Wir haben multimediale Lehrkonzepte für die sechs Fächer


entwickelt, die mit einer potenziell großen Teilnahmezahl skalieren und dennoch kompetenzorientiert sind. Weil pMOOCs zudem für einen Übergang in ein Hochschulstudium anrechenbar sein sollen, wurden sie mit studiengangsähnlichen Lernumfängen und abschließenden Prüfungsleistungen (z. B. Präsenzklausur, Projektpräsentation, Hausarbeit) konzipiert.

Diese entwickelten Angebote zum direkten Übergang in die Hochschulen stellen ein neues Feld dar – sowohl für die Lernenden als für die Hochschulen.

Seit der Bologna-Reform ist auch in Deutschland die Anerkennung und Anrechnung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen im Rahmen eines aufzunehmenden Studiums möglich. Mit den pMOOCs schaffen wir eben solche Angebote. Dennoch ist dieser Aspekt vielen Teilnehmenden gar nicht bewusst. Mit speziellen Informationsseiten innerhalb der pMOOCs haben wir deshalb begonnen, auf die Möglichkeiten hinzuweisen, die mit der Teilnahme an unseren virtuellen Lehr-/Lernangeboten verbunden sind.

So haben wir in der ersten Förderphase Schritt für Schritt einen standardisierten Rahmen für pMOOCs geschaffen, der die besonderen didaktischen und organisatorischen Anforderungen der wissenschaftlichen Weiterbildung berücksichtigt. Dennoch gibt es weiterhin kein allgemeines „Kochrezept” für pMOOCs, denn es wird weiter nötig sein, dass wir Freiräume haben, um auf fachspezifische Besonderheiten eingehen zu können. So haben wir beispielsweise für den pMOOC „Netzwerksicherheit” einen eigenen Testserver für praktische Übungen bereitgestellt, im Fach „Entrepreneurship” wurde ein echter „Projekt-Pitch” vorgesehen.

Die Nachhaltigkeit der entwickelten Angebote ist bereits heute erkennbar: Summiert man die Teilnahmezahlen zum jeweiligen Kursende auf (d.h. zum Ende der betreuten Erprobungsphase), ergibt sich für die insgesamt sechs pMOOCs 6.551 Menschen angemeldet. Seitdem stehen die Kurse als Selbstlernangebote weiter offen, wodurch sich diese Zahl bis heute (25.08.2018) fast verdoppelt hat (11.681 Anmeldungen). Die Gewinnung von Teilnehmenden bleibt aber selbst bei offenen Angeboten ein erfolgskritischer Punkt: wir müssen die jeweiligen Fach-Communitys finden und in geeigneter Weise ansprechen.

NICHT NUR ANALOGES ABBILDEN, SONDERN DIGITALE MÖGLICHKEITEN RICHTIG NUTZEN

In der ersten Förderphase haben wir die Überführung von Hochschulangeboten auf offene Online-Kurse (pMOOCs) erprobt, sind hierbei aber kaum von dem abgewichen, was uns aus der Hochschule bekannt war: ein pMOOC entsprach dabei einem Hochschulmodul. Und haben uns gefragt: Ist das denn überhaupt nötig und können wir mit digitalen Angeboten nicht noch mehr Flexibilität für die Zielgruppe erreichen? Schließlich wollen wir im Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen” insbesondere Berufstätigen, Menschen mit Familienpflichten und Personen, die in den Beruf zurückkehren, einen Zugang zur wissenschaftlichen Weiterbildung ermöglichen.

Ein offensichtlicher Ansatzpunkt ist der Umfang der pMOOCs: Im Projekt „pMOOCs 1” hatten wir Kurse mit einem Workload bis zu 5 ECTS umgesetzt. Das hatte zur Folge, dass beispielsweise der pMOOC „Netzwerksicherheit” 12 Wochen umfasste. Das Konzept eines “Crash-Kurses” mit 4 Wochen zu je 30h Workload, das wir im pMOOC “Mathe einfach verstehen” ausprobiert hatten, stieß dagegen auf starke Kritik in den Abschlussevaluationen, da es sich nicht gut in den Alltag integrieren ließe.

Hier wollen wir in der zweiten Förderphase Lernumfänge konzipieren, die der Zielgruppe besser gerecht werden. Ein Studienmodul soll auf mehrere kleine pMOOcs aufgeteilt werden. Hierfür haben wir uns verschiedene Rahmenprüfungsordnungen angeschaut und überprüft, ob pMOOCs als Prüfungsvorleistungen oder auch als Teil einer Portfolioprüfung möglich sind. Durch mehrstufige Prüfungen und übergreifende Projekte sollte es weiter möglich sein, auch (mehrere) kleinere pMOOCs für ein Hochschulstudium anzurechnen.

Damit verbunden stellt sich auch die Frage nach alternativen Zertifizierungsansätzen: in der ersten Projektphase konnten die Lernenden automatisch generierte Badges und Teilnahmezertifikate erhalten. Zudem boten einige pMOOCs die Möglichkeit, ein Hochschulzertifikat der Technischen Hochschule Lübeck zu erhalten, wenn eine schriftliche Klausur, ein Projektbericht als Hausarbeit oder eine Projektpräsentation erfolgreich absolviert wurden. Doch inwiefern könnten diese Optionen aber für die Zielgruppe interessant sein? Sind kleinere Zertifizierungseinheiten eben durch diese kürzeren Teil-MOOCs sinnvoll? Sind Badges mehr als motivierende Gamification-Elemente und können mit ihnen auch Kompetenzen sinnvoll abgebildet werden?

Für diese Fragestellungen haben wir in den ersten Projektmonaten die aktuell umsetzbaren oder leicht erweiterbaren technischen Optionen mit unserer Entwicklungsabteilung diskutiert. Zudem haben wir die Generierung unserer Zertifikate über das Backend („moodalis”) umgesetzt, statt dies weiterhin über Moodle-Zertifikate zu realisieren, die lediglich eine Konfiguration pro Kurs erlauben. So können wir für die neuen pMOOCs noch flexibler darin sein, wofür ein Zertifikat ausgestellt werden soll.

Bei der Gestaltung der pMOOCs werden wir auch zukünftig zielgruppengerechte, aber dennoch skalierbare Aufgabenformate erproben. Beispielsweise fehlen uns noch Erfahrungen bei Peer-Review-Konzepten. Diese erscheinen uns insbesondere für den Austausch der Lernenden untereinander zu komplexen Aufgabenstellungen sehr geeignet, ohne dass hierdurch der Betreuungsaufwand enorm erhöht wird. Ob wir hierzu Aufgaben umsetzen können, ist wiederum stark davon abhängig, welche pMOOCs entwickelt werden sollen.

Schließlich ist es für kompetenzorientierte Angebote wichtig, die jeweiligen Fachdidaktiken zu berücksichtigen. Daher haben wir frühzeitig geeignete Fächer für „pMOOCs 2” identifiziert und mögliche Fachautor*innen und angesprochen. Um diesen auch unsere Erkenntnisse aus der ersten Förderphase zu vermitteln, haben wir zudem begonnen, einen eigenen Selbstlernkurs für Autor*innen des Projekts zu erstellen, der sie über das Projekt allgemein und das pMOOC-Format informieren soll.

Abbildung 1: Screenshot des Autorenkurses im Projekt pMOOCs 2

Schließlich soll bei pMOOCs 2 noch eine weitere Zielgruppe bedacht werden: durch offene Online-Kurse sollen auch Akteurinnen und Akteure der beruflichen Bildung angesprochen werden. Hierzu eignen sich vor allem (aber nicht ausschließlich) Kurse mit propädeutischem Charakter. Um weitere relevante Themengebiete zu erschließen, bauen wir aktuell Kooperationen mit Berufsbildungszentren in Schleswig-Holstein auf.

WO KANN MAN MEHR ERFAHREN?

Alle aktuellen Projektergebnisse werden auf der Projektwebseite veröffentlicht, die Kurse selbst werden auf der Lernplattform https://www.oncampus.de/ bereitgestellt. Wer nicht bis dahin warten möchte, kann sich weiterhin für die pMOOCs der ersten Förderphase anmelden.

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Das Bild in der Listenansicht unterliegt CC0 Public Domain. Quelle: Pixabay

Verantwortlich für den Inhalt des Beitrags:

Anja Lorenz, Technische Hochschule Lübeck

pMOOCs 2

Weiterführende Informationen:

Link zur Website: http://pmooc2.oncampus.de/loop/PMOOCs_2

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